Dr. Thomas Middelhoff
Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG
Please allow me to welcome and congratulate a newly named honorary Knight of the
British Empire, Rudolph Giuliani. But we know, he prefers the more simple New
York title. Just call him Rudy.
Like no other, Rudy, you deserve to be called a knight for your fearless and
heroic behavior. We are proud to have you as our guest tonight.
Es gibt nicht viele Ereignisse, bei denen man sich ein Leben lang daran erinnern
wird, wo man war, als sie passierten;
Es gibt nicht viele Ereignisse, die so viele Menschen bis in die Grundfeste
erschüttern;
Es gibt nicht viele Ereignisse, bei denen die Welt auf einen Mann blickt, um
von ihm gleichermaßen Trost, Kraft und Hoffnung zu erhalten.
Der 11. September war so ein Ereignis. Und Rudolph Giuliani war der Mann, auf
den alle blickten.
Mayor Giuliani, wir alle haben die Größe, die sie in diesen schweren
Stunden und Tagen durch Ihren unermüdlichen Einsatz gezeigt haben, an unseren
Bildschirmen miterlebt.
Sie haben die Ruhe bewart, als das Chaos am größten war;
Sie haben die richtigen Worte gefunden, als die allgemeine Sprachlosigkeit
eine noch nie da gewesene Stille über New York legte;
Sie trösteten Hinterbliebene, als sie am Tiefpunkt ihres Schmerzes und
ihrer Hoffnungen waren;
Sie unterstützten Feuerwehrmänner, Polizisten und Rettungskräfte
in ihrer traurigen Aufgabe und zeigten dabei eine schier unerschöpfliche
Kraft;
Sie erinnerten an Toleranz, als sie Gefahr lief, durch Trauer und Wut in Vergessenheit
zu geraten.
In der Stadt, die bekanntlich niemals schläft, schienen Sie selbst nie
zu schlafen.
Meine Damen und Herren,
wir haben gesehen, wie der Mensch Giuliani eine übermenschliche Aufgabe
bewältigt hat. Dort, vor Ort, am Ground Zero, dem Schauplatz des Unfassbaren.
Winston Churchill, in dessen Biographie Sie in diesen Stunden nach Beistand
suchten, sagte einmal: "Der Preis der Größe ist Verantwortung."
(The price of greatness is responsibility).
Wir haben gesehen, wie Sie in der Stunde größter Not Verantwortung
übernahmen und dadurch zusammen mit der New Yorker Feuerwehr, Polizei und
Rettungskräften Tausenden Menschen das Leben retteten.
Dafür gebührt Ihnen unser höchster Respekt, unsere Bewunderung
und vor allem unser Dank.
Wir ehren Sie heute Abend deshalb mit dem Deutschen Medienpreis, der ein Zeichen
dieses Respekts, dieser Bewunderung und dieses Dankes ist.
Mayor Giuliani,
in dieser außergewöhnlichen Situation zeigten Sie ein außergewöhnliches
Maß an Mut, Entschlossenheit, Mitgefühl und Hoffnung.
Das Zusammentreffen dieser vier - Mut, Entschlossenheit, Mitgefühl und
Hoffnung - ist es, das uns alle zutiefst berührt hat.
Kaum jemand kann sich wirklich vorstellen, unter welchen Bedingungen Sie dazu
in der Lage waren; welchen Mut Sie besonders unmittelbar nach dem Geschehen
aufbringen mussten.
Minuten, nachdem das erste Flugzeug in den Südturm des Word Trade Center
flog, waren Sie vor Ort. Zusammen mit den Feuerwehrmännern Pete Ganci,
Tommy von Essen, Bill Feehan und Ray Downey, der Spitze der New Yorker Feuerwehr.
Männer, die Sie alle gut kannten, es waren Ihre Freunde. Doch nur einer
von ihnen, Tommy von Essen, hatte das Glück zu überleben.
Über 300 Feuerwehrleute wurden unter den Trümmern des World Trade
Center begraben. Insgesamt verloren fast 3000 Menschen ihr Leben.
Sie sahen in diesen Minuten einen weiteren Weggefährten zum letzten Mal:
Vater Mychal Judge, der Sterbenden den letzten Beistand geben wollte und nur
wenige Minuten später von den herabfallenden Trümmern des World Trade
Center erschlagen wurde.
Dies waren nur einige Ihrer Freunde und Bekannten, die Sie nicht wieder sehen
sollten.
Und als beide Türme kurz hintereinander einstürzten, war auch Ihr
eigenes Leben in Gefahr.
Doch als viele noch um ihre Fassung rangen, haben Sie gehandelt: zielstrebig
und ohne zu zögern: Ihre erste Pressekonferenz gaben Sie noch während
Sie sich und andere vor den einstürzenden Trümmern in Sicherheit brachten.
Sie verkündeten immer wieder unerschüttert:
"Tomorrow New York is going to be here. And we are going to rebuild, and
we are going to be stronger than we were before... I want the people of New
York to be an example to the rest of the country, and the rest of the world,
that terrorism can't stop us".
Es waren diese Worte, die um die Welt gingen, die Ihre Entschlossenheit zeigten
und die Sie zum Sprachrohr einer ganzen Nation werden ließen. Die Stimme
Amerikas hieß in dieser Zeit Rudolph Giuliani.
Die Schlagzeilen der Fernsehsender wechselten bald von "Angriff auf Amerika"
auf "America Unites" und drückten damit das aus, was sich vor
unseren Augen abspielte:
Unter Ihrer Führung, Mayor Giuliani, haben sich die Menschen vereint.
Vereint, um gemeinsam zu trauern, gemeinsam zu helfen und gemeinsam mit dem
Schrecken umzugehen.
Und damit meine ich nicht nur die New Yorker oder die Amerikaner. Der Angriff
auf Amerika war in der Tat ein Angriff auf die demokratische Welt insgesamt;
er hat unsere Weltordnung erschüttert. Sie waren auch auf dieser Seite
des Atlantiks derjenige, auf den alle blickten.
Sie waren, wie es einmal treffend beschrieben wurde, der "Mayor of the
World" - der Bürgermeister der Welt.
Ihre Worte und Ihr Handeln waren vor allem eine klare Kampfansage an die Angst,
die sich nach dem Terroranschlag breit machte.
Diese Angst hat in den Tagen und Wochen nach dem 11. September noch weitere
Nahrung erhalten. Briefe mit Anthrax-Sporen wurden an verschiedene Adressaten
geschickt. Fünf Menschen starben an den Folgen von Milzbrand. Selbst in
Ihrem Bürogebäude hat man Spuren
des Erregers gefunden.
Angst ist in dieser Situation eine nur allzu menschliche Reaktion.
Aber sie ist auch genau die Reaktion, die die Terroristen mit ihrem barbarischen
Anschlag bezwecken wollten.
Sie haben mit Ihrer Reaktion und Ihrem Handeln unmissverständlich
zu verstehen gegeben, dass die Attentäter ihr eigentliches Ziel verfehlt
haben.
Dass Werte, wie die Freiheit und der Respekt für Menschen nicht durch
feige Terrorakte zerstört werden können.
Dass die angemessene Antwort auf den blinden Hass der Angreifer nur der feste
Zusammenhalt aller freiheitsliebenden Menschen sein kann.
Dass das Gesetz immer über die Willkür siegen wird.
Dass nicht der Angriff auf die freiheitliche Demokratie - so schmerzhaft er
auch war - bleibende Wunden hinterlassen würde, sondern unsere fehlende
Bereitschaft für unsere Werte einzustehen.
Die New Yorker haben eindrucksvoll gezeigt, wie sehr sie bereit sind, diese
Werte mit ihrer Zivilcourage und ihrer Solidarität zu verteidigen.
Wir alle erinnern uns an das Bild der drei Feuerwehrmänner, die nur wenige
Stunden nach dem Angriff die amerikanische Flagge über den Ruinen hissten.
Wir sahen Menschenschlangen, die sich bildeten, um Blut zu spenden oder Essen
und Getränke an die Hilfskräfte zu verteilen.
Wir waren überwältigt von der großen Spendenbereitschaft, die
unmittelbar nach dem Unglück einsetzte.
Und wir sahen zwischen Tränen und Trauer immer wieder Menschen, die spontan
in die amerikanische Nationalhymne einstimmten - eine Ode an die Werte, für
die Amerika, für die freiheitliche Demokratien stehen.
Eine Hymne, die vielen plötzlich in einem ganz anderen Licht erschien.
Ich möchte eine Stelle daraus zitieren:
"From the terror of flight,
or the gloom of the grave:
And the star-spangled banner
in triumph doth wave
O'er the land of the free
and the home of the brave".
Mayor Giuliani,
Sie haben in diesen Tagen Hoffnung gegeben, großes Mitgefühl gezeigt
und dafür das Vertrauen der Menschen geerntet.
Sie haben allen, die nicht wussten, wie es weiter gehen sollte, Orientierung
gegeben.
Sie wurden häufig gefragt, woher Sie dafür die Kraft nahmen. Wodurch
ließen Sie sich inspirieren? Sie haben geantwortet, dass Sie Ihre Energie
von den Menschen um Sie herum bezogen.
Wenn wir Sie heute ehren, dann ehren wir damit auch die Menschen, die wie Sie
im Angesicht des Terrors und des Schmerzes große menschliche Stärke
bewiesen, großartig zusammen hielten und sich trotz des Schreckens unbeugsam
erwiesen.
Und wir erinnern uns und ehren die vielen tausend Unschuldigen, die ihr Leben
verloren.
Wir erinnern uns an die Angehörigen - die Mütter und Väter,
Ehefrauen und Ehemänner, Kinder und Enkel - für die das Leben in diesen
schrecklichen Minuten eine Wende erfuhr, die herausgerissen wurden aus dem,
was ihnen vertraut und lieb war.
Sie selbst haben Ihre Ehrung als "Person of the Year" durch Time
Magazine deshalb auch als Ehrung für die "People of the Year"
empfunden. Und nehmen sich - wie Sie es die ganze Zeit über taten - dabei
einmal mehr zurück.
Unermüdlich trösteten Sie die Menschen bei Ihren Besuchen in Krankenhäusern,
bei Hinterbliebenen und bei den Helfern am Ort der Tragödie, am Ground
Zero.
Sie waren auf über 200 Beerdigungen und Gedenkfeiern. Und Sie holten sich
auch hier Ihre Kraft.
Denn, Sie erkannten den Schmerz der Hinterbliebenen, vor allem der Kinder,
die ihren Vater oder ihre Mutter verloren hatten. Und Sie sagten sich, dass
dieser Schmerz wohl größer sein müsste, als alles, was Sie glaubten,
selbst ertragen zu können.
Ihre Vorbilder waren diejenigen, die eigentlich in Ihnen ein Vorbild sahen.
Mich hat in diesem Zusammenhang ein Ereignis besonders berührt.
Erlauben Sie mir, dass ich die Geschichte Ihrer langjährigen Mitarbeiterin,
Beth Petrone-Hatton, erzähle, die am 11. September ihren Mann, den Feuerwehrmann
Terry Hatton in den Trümmern des World Trade Center verlor.
Beth ahnte, dass ihr Mann tot sei, noch bevor sie die traurige Gewissheit erreichte.
Dennoch wich sie nicht von Ihrer Seite, organisierte mit Ihnen die Rettungsoperationen,
sorgte dafür, dass anderen geholfen werden konnte.
Eine großartige Tapferkeit und eine unglaubliche menschliche Stärke.
Wenige Tage nach der Tragödie erhielt Beth Petrone-Hatton die Nachricht,
dass sie ein Kind erwarte.
Nachdem es tagelang nur Nachrichten über den Tot zu verkünden gab,
wirkte diese Nachricht über das neue Leben wohl wie ein Wunder.
Und sicherlich gab die gute Botschaft auch Hoffnung. Hoffnung darauf, dass
das Leben weiter gehen wird. Hoffnung darauf, wieder zurückfinden zu können
zu den Dingen, die Freude bereiten.
Zurückzukehren zu den schönen Dingen des Lebens. Wie zum Beispiel
zu einer Hochzeit.
Eine Woche und viele schlaflose Nächte nach dem Terroranschlag lösten
Sie Ihr Versprechen ein, die Schwester eines verstorbenen Feuerwehrmannes zum
Altar zu führen. Nur eines von vielen Beispielen, die Ihren persönlichen
Einsatz und Ihre Menschlichkeit zeigen.
Sie sind bald zu der Überzeugung gekommen: "Wir müssen wieder
Lachen! Lachen ist wichtig."
Genauso couragiert, wie Sie die Führung in der Krise übernommen haben,
sahen Sie als einer der ersten die Notwendigkeit, den Weg aus der Krise heraus
zu zeigen. Zurückzukehren zur Bewältigung des Alltages, so schwer
es auch sein mochte.
Die Börse wieder zu öffnen, den New York Marathon durchzuführen,
die Yankees wieder spielen zu lassen und die City wieder in die Lage zu versetzen,
ihren Geschäften nachzugehen. Und damit weiteren wirtschaftlichen Schaden
von der Stadt abzuwenden.
Ihr Appell bei der Eröffnung der Warenterminbörse am 17. September
drückte aus, was Sie von den Bürgern New Yorks erwarteten. Sie sagten:
"Ihr alle habt überlebt. Gott will, dass alle die Verpflichtung spüren,
die daraus erwächst."
New York ist Ihrem Appell gefolgt. Mir erscheint die Stadt heute noch energiegeladener,
noch entschlossener und noch beeindruckender. Wer New York kennt, weiß,
dass eine solche Steigerung kaum möglich war.
Die "dunkelste Stunde" hat in der Tat Licht auf die besten Qualitäten
der New Yorker geworfen.
Die New Yorker haben nicht vergessen, dass Toleranz gegenüber anderen
Kulturen, Hautfarben und Religionen eine ihrer größten Stärken
ist.
Sie haben dies in Ihrer Abschiedsrede noch einmal deutlich gemacht: New York
ist die Hauptstadt der Welt, weil hier die Menschen aus allen Erdteilen zusammenfinden
und zusammenleben.
New York hat sich nicht zu Hass und Intoleranz hinreißen lassen. Ich
erinnere daran, was Sie zu Ihren Landsleuten sagten:
"Hatred, prejudice, and anger are what caused this terrible tragedy, and
the people of the city of New York should act differently. We should act bravely.
We should act in a tolerant way".
Sie haben die richtigen Impulse gesetzt, damit New York seine Wunden heilen,
und mit neuer Stärke und neuer Zuversicht die Zukunft gestalten kann.
Vor allem: Sie haben New York das Selbstvertrauen zurückgegeben und die
Gewissheit: Nichts kann den Big Apple so schnell klein kriegen.
Los Angeles mag die Stadt der Engel sein, New York ist spätestens seit
dem 11. September die Stadt der Helden.
Der Spirit von New York lebt. Und diesen Spirit müssen und werden wir
unterstützen.
New York war für uns Deutsche schon immer faszinierend. Sie haben des
öfteren gefordert: "Besucht uns, und gebt Geld aus!" Ich bin
mir sicher, dass viele meiner Landsleute dieser Aufforderung folgen werden.
Für Bertelsmann kann ich sagen: Wenn wir uns nicht schon vor dem
11. September entschieden hätten, weiter in New York zu investieren, dann
müssten wir dies jetzt nachholen.
Unser neues Gebäude wird derzeit in der Nähe unseres Hauptsitzes
am Times Square gebaut. Dem Platz in New York, der in Ihrer Amtszeit wieder
zu altem Glanz erleuchtete.
Wir haben in dieser großartigen Stadt unser amerikanisches Zuhause, und
das wird auch so bleiben.
Rudy,
This essence of great leadership is the ability to leave others with the conviction
and the will to carry on. And so we all gratefully thank you for your courage
and determination, your compassion, and hope.